Alt werden in den eigenen vier Wänden

Unterstützung und Komfort attraktiv gestalten
 

„Die eigenen 4 Wände“ Ausgabe 18 (10/2011)

Wohnraumanpassung – Wer braucht das?
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist das Alter einer der häufigsten Gründe für den Umbau einer Wohnung. Menschen mit hohem Lebensalter leiden häufig an verschiedenen altersbedingten Erkrankungen. Viele haben motorische Einschränkungen, können sich also schlechter bewegen. Auch das Sehen oder Hören macht häufig Probleme oder auch die allgemeine Orientierung wie zum Beispiel bei dementiellen Erkrankungen.
Aber auch jüngere Menschen mit motorischen, sensorischen oder kognitiven Einschränkungen haben besondere Anforderungen an ihre Umwelt. Um ein Leben so lange und so angenehm wie möglich in den eigenen vier Wänden zu gestalten, sind Anpassungen notwendig.

Barrierefreies Wohnen – welche Barrieren gibt es?
Vor einigen Jahren sprach man noch von „behindertengerechtem Bauen“, meinte damit lediglich Minimalabstände für Rollstuhlfahrer und dachte an sterile Funktionsflächen in Krankenhausatmosphäre.
Heute gilt es auch für  jüngere Eigenheimbesitzer schon als Trend, auf eine Gestaltung ohne Barrieren zu achten. Sie ist schön und gleichzeitig funktionell. Menschen mit Behinderungen können sie ebenso problemlos nutzen, wie Menschen, die aufgrund von Krankheit oder Unfall in ihrer Mobilität nur zeitweise eingeschränkt sind. Beispielsweise ist die ebenerdige Dusche, mit modernen Abflussleisten, mit denen es heutzutage zu keiner Überschwemmung mehr kommt, sowieso viel angesagter und letztendlich mit oder ohne Einschränkung benutzbar.

Bodenbelag
Generell gilt: Für ältere und gehbehinderte Menschen stehen Anti-Rutsch-Eigenschaften von Bodenbelägen im Vordergrund. Bei  Rollstuhlfahrern ist ein geringer Rollwiderstand und ein robuster Belag wichtig und für behinderte Kinder eignen sich für das Spielen auf dem Fußboden eher weiche und hautfreundliche Materialien. Gemeinsam haben alle Beläge, dass sie leicht zu reinigen sein und selbstverständlich auch gut aussehen sollen.

Wenn man schlecht sieht
Bei eingeschränktem Sehvermögen oder bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen ist auf die gute Erkennbarkeit von Türen, Griffen und Bedienelementen zu achten.
Lösung: Kontrastreiche Gestaltung wie zum Beispiel eine helle Wand und dunkle Zargen, helle Flügel und dunkle Beschläge – oder anders herum. Schwellen sollten sich deutlich vom Bodenbelag abheben, um die Stolpergefahr zu verringern. Blendungen und Spiegelungen müssen vermieden werden. Glastüren und großflächige Verglasungen müssen deutlich erkennbar sein.
Lösung: Sicherheitsmarkierungen über die gesamte Glasbreite, abwechselnd hell und dunkle Belklebungen, die durch den Helligkeitskontrast bei wechselnden Lichtverhältnissen ihre Wirkung nicht verlieren.

Klingelanlage nachrüsten
Auch für Schwerhörige oder Gehörlose gibt es vielfältige Möglichkeiten, die Wohnung nachzurüsten.
Wenn man beispielsweise die Türklingel überhört, ist ein Klingelverstärker mit lautem Signalton und hellem Blitzlicht zu empfehlen. Auch ein Vibrationskissen kann angeschlossen werden, das auf das Klingeln des Besuchs aufmerksam macht.

Beweglich mit Rollstuhl und Rollator
Für Menschen, die im Rollstuhl sitzen oder einen Rollator nutzen, müssen Türen  ausreichend breit und gut befahrbar sein. Sie müssen sich gut öffnen lassen und störende Türschwellen entfernt werden. Ist bei einer Türverbreiterungen der Flur für die aufschlagenden Flügel zu klein? Dann kann eine Schiebetür oder eine Raumspartür die platzsparende Lösung sein. Raumspartüren sind Türen mit zweiteiligem Türblatt. (Bild) Lässt sich eine Tür nur mit hohem Kraftaufwand öffnen, sind automatische Türsysteme angebracht. Türgriffe sollten in 85 cm tiefer angebracht bzw. auf diese Höhe verlegt werden. Damit können sowohl Menschen im stehen also auch im sitzen aber auch Kinder den Griff bequem erreichen.
Gerade für Menschen mit Bewegungseinschränkungen, ist es wichtig auch mal an die frische Luft zu kommen. Balkontürschwellen können da zum riesigen Hindernis werden. Niedrige Schwellen können mit beidseitigen Türschwellenrampen begeh- und befahrbar gemacht werden. Höhere können durch den Einbau einer Bodendeckenstange mit schwenkbarem Drehsitz überwunden werden. Auch die Beseitigung der Schwelle durch den Einsatz moderner, schwellenloser Türrahmen mit Magnetdichtung ist möglich.

Was tun bei kognitiven Einschränkungen?
Neben den oben beschriebenen sensorischen Einschränkungen, gibt es das weite Feld der kognitiven Einschränkung, an der zum Beispiel Menschen leiden, die an Demenz erkrankt sind.
Vieles in der Umgebung von dementiell Erkrankten muss individuell verändert werden. Allgemein gilt: Der richtige Einsatz von Farbe und Licht ist ein wichtiger Faktor. Warme Farbtöne in Gelb-Orange sowie eine gute Beleuchtung haben nachgewiesenermaßen einen positiven Einfluss auf diese Erkrankten. Für dementiell Erkrankte sind dunkle Bodenbeläge und Teppiche ungeeignet, da diese als dunkle Löcher wahrgenommen werden können.

Zuschüsse und Finanzierungsmöglichkeiten
Die Anpassung des Wohnraums kann je nach Aufwand mit hohen Kosten verbunden sein. Im Programm „Altersgerecht Umbauen“ gewährt die  KfW-Bank zinsgünstige Kredite für alle Baumaßnahmen, die zu einer Barrierereduzierung führen und eine angenehme Wohnqualität gewährleisten. Diese Förderung läuft im Jahr 2011 aus. Weitere Informationen dazu finden sie unter www.kfw.de
Menschen mit einer Pflegestufe können Zuschüsse für vielfältige Umbaumaßnahmen bei ihrer Pflegekasse beantragen. Der Eigenanteil ist abhängig vom Einkommen, beträgt aber in der Regel 10% der Gesamtkosten. Genauere Informationen erhalten Sie bei der zuständigen Pflegekasse.