Das dunkle Grauen: Fogging-Effekt

Wenn die Wohnung plötzlich schwarz wird

"Die eigenen 4 Wände" Ausgabe 17 (05/2011) 

Der schwarze Belag kommt wie aus dem Nichts, oft sogar über Nacht: An der Zimmerdecke, an den Wänden und auf den Möbelstücken setzt sich ein hartnäckiger Belag fest. Alles ist schwarz und schmierig. So manche Wohnung sieht aus wie nach einem Schwelbrand. Das Phänomen wird Fogging genannt.
 
Phänomen breitet sich aus
1995 schlugen die ersten Mieter und Eigentümer Alarm, weil sie plötzlich schwarze Ablagerungen in ihren Wohnungen hatten. Manche klagten über flächendeckende Beläge in fast allen Räumen, manche nur über Flecken und Einzelstellen. Bei allen trat das Problem nach einer Renovierung, dem Einbau neuer Fenster, einer Außenwanddämmung bzw. dem Erstbezug neugebauter Häuser auf.
Mittlerweile sind jedes Jahr tausende Wohnungen davon betroffen, und es werden immer mehr. Der Schmierfilm lässt sich kaum abwischen und bildet sich schneller neu, als man putzen kann.
 
Ungelöstes Rätsel?
Ursache für die schwarzen Ablagerungen sind nicht Abgase von Autos oder Fabriken. Ruß aus Öfen oder Kaminen kann zwar das Zimmer schwarz färben und auch die viel gefährlicheren Schimmelpilze können für schwarze Wände sorgen, Fogging wird das allerdings nicht genannt. Die schwarzen Ablagerungen des Fogging-Effekts sind nach heutiger Erkenntnis nicht akut gesundheitsgefährdend.
Das Problem der „Schwarzen Wohnungen“ ist noch nicht bis ins letzte Detail gelöst. Eine Rolle spielt auf jeden Fall das chemische und physikalische Zusammenwirken mehrerer Einflussfaktoren. Das sind die Zusammensetzung der verwendeten Produkte bei Renovierung und Reinigung, die Beschaffenheit des Gebäudes sowie das Verhalten der Bewohner (Heizgewohnheiten, Gebrauch von Kerzen, Duftölen, Raumsprays etc.).
 
Ursachen der Schwarzstaub-Attacken
Auffällig ist, dass von mehreren baugleichen oder renovierten Wohnungen oft nur eine oder wenige betroffen sind. Deshalb ist das Nutzungsverhalten der Bewohner eine wichtige Ursache. Nach den Erkenntnissen des Umweltbundesamtes müssen jedoch noch weitere Faktoren zusammentreffen, um den Fogging-Effekt auszulösen.
In einem Großteil aller untersuchten Fälle wurden Malerarbeiten durchgeführt oder Fußböden gelegt, bevor es zu den Ablagerungen kam. Deshalb deutet vieles darauf hin, dass sogenannte Weichmacher eine Rolle spielen, die in den hierbei eingesetzten Materialien enthalten sind – auch in umweltfreundlichen. Weichmacher dünsten über einen längeren Zeitraum an die Raumluft aus. Untersuchungen haben ergeben, dass Weichmacher mit dem Auftreten des Foggings in Zusammenhang stehen.
Schwarz wird die Tapete aber nur beim Zusammentreffen mehrerer Bedingungen. Der Effekt tritt zumeist im Winter auf, wenn sich die langsam ausdampfenden organischen Verbindungen an den kalten Stellen der Wände absetzen und den Schwebestaub, der überall in der Luft ist, regelrecht anziehen. Gefährdet sind besonders Wohnungen, die gut wärmeisoliert sind oder bei denen eine verbesserte Isolierung durch neue Fenster oder zusätzliche Wärmedämmung erreicht wurde.

Fogging vermeiden
Um dem Fogging-Effekt möglichst vorzubeugen, sollte die Wohnung im Sommer renoviert und in der Zeit danach noch ausgiebiger als sonst gelüftet werden. Dadurch verflüchtigen sich die Weichmacher eventuell bis zur kalten Jahreszeit.
Zudem sollte auf den übermäßigen Einsatz von Putzmitteln wie zum Beispiel Möbelpolituren und auf chemische Duftöle und Ähnliches verzichtet werden.