Wo Europa Asien trifft 

 „Die eigenen 4 Wände“ Ausgabe 17 (05/2011)

Die Türkei ist ein beliebtes Reiseziel vieler Europäer. Auch der türkische Immobilienmarkt gerät mehr und mehr in den Fokus von Urlaubern und Investoren. Der größte Teil der Landesfläche liegt in Asien und nur etwa 3 % in Europa. An der Grenze der Kontinente befindet sich die „heimliche Hauptstadt“ Istanbul, die sich als einzige Stadt der Welt über zwei Kontinente erstreckt. 25 der insgesamt 39 Stadtteile befinden sich im europäischen Teil. Laut einer Studie belegt Istanbul den ersten Platz als Investitionsstandort in Europa.

Istanbul: zwischen Moderne und Tradition
Mit einer Einwohnerzahl von ca. 13 Millionen ist sie die bevölkerungsreichste Stadt der Türkei und das Zentrum für Kultur, Handel, Finanzen und Medien. Istanbul wird durch die Meerenge, dem Bosporus, der Marmarameer und Schwarzes Meer verbindet, getrennt

Das Leben am Bosporus
Schon immer war es der Wunsch vieler Istanbuler, am Bosporus zu wohnen. Aber leisten konnten es sich nur die Wohlhabenden. Aus diesem Grund befinden sich hier zahlreiche Villen, die das europäische Ufer des Bosporus schmücken.

Viele Baustile vereint
Istanbul ist eine Stadt der Gegensätze, die sich auch im Baustil widerspiegeln. Nach osmanischer Tradition gebaute typische Holzhäuser reihen sich an moderne Hochhauskomplexe und kleine Wohnviertel stehen den reichen Stadtteilen gegenüber. Die Eigen-
tumsquote in der Türkei ist mit ca. 65 % sehr hoch.

Steigende Preise
Seit Anfang 2005 sind die Immobilienpreise in der Türkei um 20–25% gestiegen. Der türkische Immobilienmarkt ist weiter im Wachstum und vor allem in Istanbul mangelt es an Baugrundstücken. Daher können neue Bauvorhaben vorerst nur am Stadtrand realisiert werden. Viele ältere Gebäude, die in der Stadt liegen, sind oft baufällig und werden in nächster Zeit abgerissen. Zum einen sollen die neuen Gebäude mehr Wohnraum schaffen, zum anderen aufgrund der Lage in einer erdbebenstarken Region stabiler beschaffen sein.

Szenebezirk Beyoğlu
Beyoğlu ist eines der beliebtesten Viertel und zugleich das Zentrum des modernen Istanbul. Aber auch die zahlreichen historischen Gebäude im Jugendstil oder Historismus erfreuen sich großer Beliebtheit. Dies spiegelt sich in den Immobilienpreisen wieder – der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen liegt bei über 2.000 Euro.

Wohnungen werden kleiner
Auch in der Türkei macht sich der demographische Wandel bemerkbar. Die Anzahl der Kinder pro Familie schrumpft bei jungen türkischen Familien und somit steigt die Nachfrage nach kleineren Wohnungen.

Drei Eigentumsformen
Man unterscheidet in der Türkei zwischen drei Eigentumsformen
> Volleigentum an einer Immobilie, dies entspricht dem deutschen Grundstückseigentum
> Stockwerkseigentum, dies ähnelt dem deutschen Wohnungseigentum
> Der periodische Grunbesitz, auch „time-sharing“ genannt. Dies ist eine Variante des Stockwerkseigentums mit zeitlich begrenzten Wohn- und Nutzungsrechten.

Voraussetzungen
Es gibt keine gesetzlichen Beschränkungen für den Erwerb einer Immobilie. Auch Ausländer können Immobilien erwerben, Voraussetzung ist das Prinzip der Gegensätzlichkeit. Wenn Türken in dem Land des Käufers problemlos Immobilien erwerben können, kann dies der Bürger in der Türkei auch. Die einzige Richtlinie, die der türkische Staat vorgibt, ist die Prüfung der Lage des Objektes. Dieses darf nicht näher als 400 Meter an die militärische Zone angrenzen.

Beim Grundbuchamt
Die Eigentumsübertragung findet im Gegensatz zu Deutschland nicht beim Notar statt, sondern auf dem sogenannten „Tapu Amt“, dem Grundbuchamt. Beim Notar wird nur ein Kaufversprechen gemacht, das notariell beurkundet werden muss. Das Grundbuchamt muss vor der Eigentumsübertragung einige Formalitäten prüfen. Ist der Verkäufer des Objektes auch tatsächlich der Eigentümer? Liegt das Objekt außerhalb der militärischen Zone? Nach erfolgreicher Prüfung und Zahlung des Kaufpreises wird durch das Grundbuchamt die Grundbesitzurkunde ausgestellt und die Änderung im Grundbuch vorgenommen. Die Grundbucheintragung dauert durchschnittlich bis zu drei Monaten.

Kosten bei Eigentumserwerb
Wie in Deutschland werden beim Kauf einer Eigentumswohnung einmalige und laufende Kosten erhoben. Unter die einmaligen Kosten fallen: 
> Grunderwerbssteuer 3% vom eingetra-  genen Wert der Immobilie
> Grundbucheintragung ca. 50 € 
> Einreichung bei der Militärverwaltung   in Izmir ca. 20 €
> vereidigter Dolmetscher bei nicht tür-  kischen Staatsbürgern ca. 50 €Jährlich anfallende Kosten sind:
> Grundsteuer für das Gebäude 0,2 % vom eingetragenen Wert der Immobilie
> Grundsteuer für die Wohnung 0,1 % vom eingetragenen Wert der Immobilie
> Grundsteuer für das Grundstück 0,2 % vom eingetragenen Wert der Immobilie

Ist bei der Wohnungssuche ein Makler beauftragt, ist eine Maklercourtage in Höhe von 6 % vom vereinbarten Kaufpreis zu entrichten. Die Maklercourtage ist je zur Hälfte vom Verkäufer und Käufer zu entrichten.

Eigenheimfinanzierung
Wer an einer Immobilie interessiert ist, kann in den seltensten Fällen den vollen Kaufpreis bar bezahlen. Traditionell wird zuerst in der Familie nach einem Privatdarlehen gefragt. Inzwischen bieten auch viele Banken Kredite für den Neuerwerb oder Ausbau einer Immobilie. Der Kredit-
nehmer muss dafür hohe Sicherheiten erbringen, die er oft aber nicht nachweisen kann. Durch die mangelnde Sicherheit kommen überhöhte Kreditkosten auf den Kreditnehmer zu. Kreditgeber finanzieren max. 70 % des Kaufpreises der Immobilie und die Kredite sind meist auf zehn Jahre beschränkt.