"Waterwoningen" - die Antwort der Niederländer auf den Klimawandel

Immobilieneigentum in Europa

„Die eigenen 4 Wände“ Ausgabe 16 (11/2010)

Mit ca. 400 Einwohnern pro km² Landfläche zählen die Niederlande zu den am dichtesten besiedelten Staaten der Welt. Zum Vergleich: In Deutschland sind es ca. 230 Einwohner pro km² Landfläche. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass das Land kostbar und Wohnraum rar ist.

„Aqua-Wohnen“ – was kann man sich darunter vorstellen?
Da ungefähr die Hälfte des Landes weniger als einen Meter über und rund ein Viertel unterhalb des Meeresspiegels liegt, mussten neue und innovative Wohnflächen gefunden werden. Warum dann also das Wasser, als potentielle „Grundstücksfläche“, nicht in die Suche mit einbeziehen? Gesagt getan, denn immer häufiger wird nicht mehr Grund und Boden verkauft, sondern ein Stück Wasseroberfläche. „Aqua-Wohnen“ heißt der neue Trend – und groß ist das Interesse, denn diese Chance gilt es zu nutzen.

Aber wie lernen Häuser und zukünftig auch ganze Stadtviertel schwimmen? Die Häuser werden in einen wannenförmigen Schwimmkörper eingelassen. Die dadurch entstandenen Hohlräume werden mit Beton aufgefüllt und bilden das Grundgerüst. Außerdem werden Stahlringe am Gebäude montiert, welche an feststehenden Pfählen angebracht werden. Das garantiert die Beweglichkeit der schwimmenden Häuser bei sinkendem und steigendem Wasserpegel.

Wie teuer aber sind solche Wasserparzellen und vor allem auch die schwimmenden Häuser? Am Stadtrand von Amsterdam, in Ijburg, kann ein Stück „Wasseroberfläche“ für ca. 110.000 € erworben werden. Der Kaufpreis für ein Haus oder eine Wohnung auf dem Wasser unterscheidet sich nicht wesentlich von den Kosten für gleichwertigen Wohnraum auf dem Land in demselben Wohngebiet.

Wohneigentum in den Niederlanden
Doch nicht nur die amphibische Wohnkultur hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt, denn durch den chronischen Mangel an Wohnfläche wächst die Nachfrage nach Wohnimmobilien mit Potenzial.

Rund 54 Prozent aller Wohnungen und Wohnhäuser gehören ihren Bewohnern, wobei diese Eigentumsquote im europäischen Vergleich sehr niedrig ist, aber dennoch höher als die 43 Prozent in Deutschland.

Charakteristisch für die niederländische Architektur sind die sogenannten „brownstones“ (Sandsteinhäuser, die wie aneinandergestapelt wirken), doch gefragt sind vor allem Einfamilienhäuser am Rande der großen Städte. Etwa 70 Prozent des Wohnungsbestandes besteht aus Einfamilienhäusern, die verbleibenden 30 Prozent bestehen vor allem aus Geschosswohnungen in Hochhäusern (Gebäude mit mehr als vier Stockwerken).

Land oder Wasser?
So oder so, die Niederländer stellen sich ein auf die folgenreichen nächsten Jahre – es bleibt ihnen wohl auch nichts anderes übrig als Wasser und Wohnen miteinander zu kombinieren.

Die Entwicklung des Immobilienmarktes der Niederlande ist spannend, es wird sich lohnen, diesen zu beobachten.

Wer weiß, vielleicht werden die alternativen Wohnformen auch hier bei uns einmal Teil der Immobilienlandschaft. Erste schwimmende Häuser sind seit einigen Jahren auch bei uns zu finden. Im Lausitzer Seenland gehört schwimmenden Häusern die Zukunft. Das einstige Braunkohle-Revier wandelt sich gewaltig. Die Kohlegruben werden nach und nach geflutet und auf der größten künstlichen Seenlandschaft Europas entstehen neue Häuser. Auf dem Gräbendorfer See kann zum Beispiel eines der schwimmenden Häuser besucht werden und die neue Wohnqualität der Niederländer nachempfunden werden.